Mal das Gras wachsen lassen

Zu häufiges Mähen hinterlässt eine "Wüste" für Krabbeltiere und Kleinsäuger.  (Rudy und Peter Skitterians auf Pixabay)

Wenn die Temperaturen steigen und das Gras sprießt im Garten, möchte manch Gärtner*in direkt den Rasenmäher anwerfen. Doch wer häufig mäht, verhindert, dass sich Insekten und andere Kleinlebewesen im eigenen Garten wohlfühlen, betont der BUND. Der BUND rät deshalb dazu, im Sommer den Rasenmäher zumindest zeit- und stellenweise stehen zu lassen. Das spare Zeit und Mühe und sei gut für viele Kleinlebewesen, so der Umweltverband.

„Ein Golfrasen ist für die heimische Artenvielfalt so verkehrt, wie ein gepflasterter Parkplatz. Hier findet weder das Grüne Heupferd noch ein Zitronenfalter oder der Gebänderte Pinselkäfer den Lebensraum, den diese Tiere brauchen. Immer mehr Lebensräume gehen verloren, durch den Bau von Straßen, Siedlungen oder Gewerbeflächen. Auch Ackerflächen bieten keine guten Lebensbedingungen. Umso wichtiger ist es, dass auch private Gartenbesitzer*innen etwas für den Erhalt der heimischen Artenvielfalt tun“, weiß Bernd Quellmalz, BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe. „Mut zur Unordnung ist gefragt. Die mutmaßliche Unordnung ist vielmehr ein gesunder und wertvoller Lebensraum für unsere Tier- und Pflanzenwelt.“

Altgrasstreifen sind über das ganze Jahr ein wichtiger Lebensraum. „Nicht nur Heuschrecken fühlen sich im hohen Gras wohl, auch viele weitere Tiere brauchen hohe Wiesen um sich zurückzuziehen oder auch um sich fortzupflanzen. Untersuchungen zeigen: In Altgrasstreifen sind ein Vielfaches der heimischen Tiere anzutreffen. In abgemähten Grünflächen sieht es dagegen düster aus. In Altgrasstreifen blühen auch Wildblumen auf, die durch häufiges Mähen keine Chance hätten“, sagt der Biologe. Blumen sind über die ganze Saison bis zum Herbst eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen, Schmetterlinge oder auch Schwebfliegen. Nektar- und pollenhaltige Wildkräuter wie Margeriten, Wiesensalbei, Färberkamille und Flockenblume vertragen keinen häufigen Schnitt, Blütenpflanzen wie Gänseblümchen und Weißklee dagegen aber schon. Sie sind sogar auf Mahd angewiesen, damit sie blühen können. Quellmalz rät, diese Flächen blühen zu lassen und etappenweise zu mähen, damit zu jeder Zeit etwas blüht: „Eine Blumenwiese sollte zwei- bis dreimal gemäht und das Mähgut entfernt werden.“

Aber auch wer kaum Wildblumen in der Wiese hat, sollte das Gras bis zu seiner ganzen Größe wachsen lassen, wo es möglich ist. Bewusst hohe Gras-Inseln im Garten wachsen zu lassen, schafft Strukturvielfalt und sieht schön aus. Im Winter bietet das trockene Gras Schutz zur Überwinterung für verschiedene Krabbeltiere und Kleinsäuger. Und auch im Hochsommer ist das Gießen des Rasens dann bestenfalls überflüssig. Durch die hohe Schicht Gras verdunstet weniger Wasser aus dem Boden und Feuchtigkeit kann sich besser halten. Dadurch wird verhindert, dass die Wiese an heißen Tagen verbrennt. Im neuen Frühjahr sollte altes Gras aber gemäht werden, damit sich kein dichter Filz bildet. Sonst ist es für das junge Grün schwer auszutreiben.

Die BUND-Gruppen in den Landkreisen Cuxhaven, Osterholz und Wesermarsch pflegen und entwickeln an mehreren Stellen im ländlichen Raum Wegraine als Wildblumenwiesen für Bienen und Schmetterlinge, aber auch Stadtnatur-Flächen im Siedlungsbereich. Hierfür sucht der BUND noch weitere Helferinnen und Helfer. Wer Zeit und Lust hat mitzumachen, wende sich bitte an bernd.quellmalz(at)nds.bund.net.

     

Hintergrund

Was macht einen naturnahen und ökologischen Garten noch aus?

  • Wilde Ecke, volles Leben: Lassen Sie Wildnis zu und Gräser und Kräuter stehen. Brennnesseln, Salweide und Brombeere z.B. sind Futter für Schmetterlingsraupen, Laub- und Reisighaufen Verstecke für Igel und Co.
  • Nur heimische Pflanzen: Exotische und stark gezüchtete Pflanzen bieten unseren Tieren kaum Nahrung. Eine Hecke aus verschiedenen heimischen Sträuchern gibt mehr Tierarten Nahrung und Lebensraum als eine Monokultur.
  • Totholz ist lebendig: Absterbendes Holz ist für viele Insekten als Wohnung, Nahrung oder Baumaterial wichtig.
  • Stehen lassen: Abgestorbene Staudenstängel sind gelegentlich innen hohl und kleine Tiere können darin überwintern. Manchmal hängen auch Beeren oder Samen dran, die Vögel im Winter fressen können.
  • Fruchttragende Sträucher: Einheimische Vögel ernähren sich von Holunder, Kornelkirsche oder Pfaffenhütchen. Kirschlorbeer, Thuja oder Bambus bieten ihnen nichts.
  • Gartenteich / Wasserloch: Im Wasser tummelt sich Leben. Sie helfen damit Libellen, Vögeln und Amphibien, Lebensräume, Futter und Trinken zu finden.
  • Wasser anbieten: Grade im Sommer eine flache Schale Wasser im Garten aufstellen. Vögel, Wespen und andere Insekten können hier ihren Durst löschen. Legen sie einen flachen Stein in die Schale, damit die Insekten auch wieder herauskommen.
  • Heimische Wildblumen und –stauden sind die wichtigste Nahrungsquelle für Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge. Bitte nutzen Sie keine Zuchtvarianten.
  • Rauf aufs Beet: Der Rasenschnitt kann als Mulch-Material locker auf die Gemüsebeete oder um Beerensträucher gestreut werden. So kommen Wildkräuter nicht hoch und man spart sich das häufige Jäten. Außerdem schützt Mulchen vor dem Austrocknen des Bodens.