Immer weniger Schmetterlinge unterwegs

BUND verweist auf dramatische Gefährdungslage und ruft zu mehr Natur auf Balkonen, in Gärten und öffentlichen Grünanlagen auf

Distelfalter  (Pixabay)

Sie fliegen durch Grünanlagen, Gärten und entlang von Wegesrändern, doch viele Schmetterlingsarten sind inzwischen gefährdet. Der BUND Bremen macht auf den starken Rückgang heimischer Falterarten aufmerksam und ruft dazu auf, Gärten, Balkone und Grünflächen naturnäher zu gestalten. Laut der aktuellen Roten Liste der Tagfalter und Widderchen Deutschlands sind von den 207 untersuchten Arten zehn ausgestorben, fast die Hälfte ist bestandsgefährdet, rund fünf Prozent sind extrem selten und jede zehnte Art steht auf der Vorwarnliste. Somit ist nur ein gutes Drittel aller untersuchten Arten noch ungefährdet, wie der BUND jetzt verdeutlicht. Für Bremen und Niedersachsen gibt es keine aktuellen Daten. Laut der Roten Liste von 2004 gehören dort aber 58 % einer Gefährdungskategorie (0 bis 3) an.

„Schmetterlinge sind mehr als nur hübsche Sommerboten, denn sie zeigen uns sehr deutlich, wie es um unsere Natur steht“, sagt Katharina Fuchs vom Fachbereich Stadtnatur des BUND Bremen. „Wenn diese Tiere verschwinden, fehlen oft Blühpflanzen, Rückzugsorte und naturnahe Lebensräume.“ Als besonders problematisch gelten sterile Grünflächen, eine zu intensive Pflege und der Einsatz von Pestiziden. Ständig kurz gemähte Rasenflächen, die nie zur Blüte kommen, versiegelte Vorgärten oder Schottergärten bieten Insekten kaum Nahrung oder Schutz. Hinzu kommt, dass viele heimische Wildpflanzen aus Gärten und öffentlichen Flächen verschwinden. Dabei kann bereits mit einfachen Maßnahmen Abhilfe geschaffen werden. Der BUND rät beispielsweise dazu, heimische Wildblumen und ungefüllte Blütenpflanzen auf Balkonen und in Gärten zu pflanzen. Pflanzen wie Wiesensalbei, Flockenblumen, Natternkopf oder die Wilde Möhre liefern Nektar für erwachsene Schmetterlinge. Besonders wichtig als Raupenfutterpflanze ist die Brennnessel. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral oder das Landkärtchen sind auf diese Pflanze angewiesen. „Viele Menschen entfernen Brennnesseln sofort, dabei sind sie für so viele Raupen überlebenswichtig“, erklärt Fuchs. „Schon eine kleine wilde Ecke im Garten kann eine wertvolle Lebensgrundlage schaffen.“

Auch wer keinen eigenen Garten hat, kann aktiv werden. Bereits die Bepflanzung von Balkonkästen mit bienen- und schmetterlingsfreundlichen Pflanzen, die Verwendung von torffreier Erde und der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel helfen Insekten. Der BUND empfiehlt außerdem, verblühte Pflanzenstängel und Laub über den Winter stehen zu lassen, da zahlreiche Insekten dort überwintern. Neben dem Mangel an Lebensräumen und Nahrungsquellen belastet auch künstliches Licht viele Falterarten. Nachtaktive Schmetterlinge verlieren durch dauerhafte Beleuchtung häufig die Orientierung. Warmweißes, insektenschonendes Licht und ein sparsamer Einsatz von Außenbeleuchtung können die Belastung reduzieren. Immer leuchtende Solarlampen haben im naturnahen Garten nichts verloren. „Naturschutz beginnt oft direkt vor der eigenen Haustür”, betont Fuchs. „Jede Wildblume auf dem Balkon und jede ungemähte Ecke hilft dabei, Schmetterlingen und anderen Insekten zu helfen.”

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