Region Weser-Elbe

Meso- und Mikroplastik im Wesersand

AWI und BUND präsentieren Ergebnisse der Probennahme im Weser-Strandbad in Bremerhaven

Bremerhaven, 16. Juni 2022. Am 14. Mai nahmen Aktive des BUND Unterweser im Rahmen des Projekts „Mikroplastikdetektive“ des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) im Bremerhavener Weser-Strandbad Sand-Proben, damit Wissenschaftler*innen des AWI sie auf Meso- und Mikroplastik untersuchen (s.u.). Denn die Wissenslücke über die Meso- und Mikroplastik-Belastung der Nord- und Ostsee und der großen Flussmündungen ist groß. Nun liegen die Ergebnisse für das Weser-Strandbad vor.

Insgesamt haben die Aktiven des BUND Unterweser im Weser-Strandbad auf einer Fläche von 1,152 m2 20 Proben genommen. Bei einer Fläche des Weser-Strandbades von ungefähr 18.000 m2 (mit Google Earth vermessen) haben sie somit ungefähr 0,006% der Gesamtfläche beprobt. Das Gewicht des gesammelten Sandes betrug gut 43 kg. In diesen Proben fand Dr. Bruno Walther, Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut, drei Mesoplastikteilchen (> 5 mm) und fünf Mikroplastikteilchen (1-5 mm). Damit ergibt sich eine durchschnittliche Meso/Mikroplastikanzahl pro Quadratmeter Sand von 6,94 und pro Kilogramm Sand von 0,18. „Hochgerechnet auf die Gesamtfläche des Weser-Strandbades ist also mit einer Meso- und Mikroplastikanzahl von etwa 125.000 Teilchen zu rechnen“, schätzt Walther vorsichtig. „Weil wir nur 0,006% des gesamten Strandes beprobten, ist natürlich eine relative große Unsicherheit mit dieser Zahl verbunden. Um diese Unsicherheit zu vermindern, müssten wir mindestens ein paar Prozent des Strandes beproben. Das ist aber im Rahmen unseres Projekts derzeit weder logistisch noch finanziell machbar.“ Weitere interessante Ergebnisse sind, dass zwei der drei gefundenen Mesoplastikteilchen Überbleibsel von Plastiktauen aus Polypropylen sind. Bruno Walther: „Mir war schon bei früheren Begehungen aufgefallen, dass solche Taue häufiger zu finden sind am Weserstrand.“ Die fünf Mikroplastikteilchen sind alle hellblau und haben wahrscheinlich alle den gleichen Ursprung. In den Proben fanden sich außerdem 21 Glasscherben (Länge 1-28 mm). Über die Herkunft der Meso- und Mikroplastikteilchen geben die Ergebnisse keine Auskunft. „Für eine Bewertung dieser Ergebnisse ist es noch zu früh“, betont Walther. „Wir müssen erst noch die Messdaten von den vielen anderen Probestellen entlang der Nord- und Ostseeküste abwarten. Dann können wir die Situation an den einzelnen Stränden miteinander vergleichen. Bei unserem Projekt geht es ja vor allem darum, überhaupt erst eine Grundlage für Erkenntnisse über die Belastung zu gewinnen.“

Der BUND betont, dass Kunststoff aufgrund seiner Oberflächeneigenschaften wie ein Magnet auf Umweltgifte wirkt. Diese befinden sich im Wasser und reichern sich auf der Kunststoffoberfläche an. Auf vielen Proben lassen sich hundertmal höhere Konzentrationen als im Meerwasser messen. Die Kunststoffe werden dann samt Schadstoffen von den Meeresorganismen aufgenommen: Mikroplastik wurde in Seehunden, Fischen, Muscheln und kleineren Organismen nachgewiesen, die es passiv oder mit ihrer Nahrung aufnehmen. Im Magen-Darm-Trakt können diese Schadstoffe wieder freigesetzt werden und den Organismus womöglich schädigen. „Je kleiner das Plastikteilchen ist, desto größer das Risiko der Aufnahme und die Anzahl der Tiere, die es konsumiert“, gibt Bernd Quellmalz, BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe zu bedenken. „Ist Mikroplastik erst in den Flüssen und dem Meer, kann es nicht wieder entnommen werden. Der Zustand der Meeresumwelt ist besorgniserregend, und die Auswirkungen sind kaum abzuschätzen. Daher muss der Eintrag von Plastik in die Umwelt insgesamt vermieden oder zumindest minimiert werden.“

Weitere Infos


Mikroplastik im Weser-Strandbad?

BUND Unterweser beteiligte sich am AWI-Projekt „Mikroplastikdetektive“ und sammelte Proben an der Weser

Elke Lies und Corinna Habenicht füllen Sand in die Sammelbox.  (Bernd Quellmalz)

Bremerhaven, 14. Mai 2022. Um die Wissenslücke über die Meso- und Mikroplastik-Belastung der Nord- und Ostsee zu schließen, hat das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven (AWI) das Projekt „Mikroplastikdetektive“ ins Leben gerufen. Hierbei können engagierte Bürger*innen helfen, großflächig Daten zum Meso- und Mikroplastik-Vorkommen an deutschen Küsten zu erheben. Durch das Projekt und die Bürger*innenbeteiligung soll zugleich das Bewusstsein für dieses Umweltproblem und das Wissenschaftsverständnis gestärkt werden. Aufbauend auf den gesammelten Daten können weitere Forschungsfragen gestellt werden. Der BUND Unterweser beteiligte sich nun mit einer Probennahme am Weser-Strandbad in Bremerhaven. Die Proben werden im AWI nun ausgewertet, und wir veröffentlichen die Ergebnisse an dieser Stelle, sobald sie vorliegen.

Nächste Termine für Probennahmen

Hintergrund

Kleinere Plastikpartikel können wichtige marine Arten beeinträchtigen: Nehmen z.B. wirbellose Tiere, wie Muscheln, Wattwürmer und Krebse, Mikroplastik auf, kann dies zu Entzündungs- und Stressreaktionen, reduzierter Nahrungsaufnahme sowie Hormon- und Verhaltensänderungen führen. Als Basis der Nahrungskette können solche Arten wiederum als Beute ihre Räuber mit Plastikteilchen und den darin enthaltenen Chemikalien belasten. So reichern sich Giftstoffe in der Nahrungskette an; die Langzeitfolgen sind noch kaum absehbar. Dabei leiden die Lebensgemeinschaften der Nord- und Ostsee bereits unter dem Zusammenwirken verschiedenster anderer Umweltbelastungen, wie z.B. Unterwasserlärm, Nährstoffeintrag, Überfischung und Klimawandel.

Um Druck auf die Entscheidungsträger*innen ausüben zu können, ist eine kontinuierliche Datenerfassung wichtig, um Aussagen zum Grad der Plastikverschmutzung auf See und an den Küsten machen zu können, ebenso wie zu räumlichen und zeitlichen Veränderungen. Bürgerwissenschaftler*innen (Citizen Scientists) leisten dabei weltweit einen wichtigen Beitrag: z.B. wird seit Jahrzehnten der Makromüll (>25 mm) an deutschen Stränden u.a. durch Umweltverbände und Freiwillige erfasst. Kleinere Müllteilchen, insbesondere Mesoplastik (5-25 mm) und Mikroplastik (1-5 mm), werden bisher aber nicht dokumentiert. Darum gibt es nur wenige wissenschaftlich erhobene Daten zu deren Menge entlang der Nord- und Ostseeküste.

Das AWI-Projekt „Mikroplastikdetektive“ möchte diese Lücke zusammen mit freiwilligen Helfer*innen nun schließen. Das Projekt stellt (fast) alle notwendigen Materialien und entsprechende Anleitungen für die Probennahme am Strand. Die Probennahme dauert ca. 2 Stunden. Das AWI in Bremerhaven untersucht die eingeschickten Proben im Labor. Die Ergebnisse werden schließlich durch Berichte, Pressemitteilungen und wissenschaftliche Publikationen an die Öffentlichkeit vermittelt. Weitere Infos gibt es unter https://www.awi.de/forschung/biowissenschaften/tiefsee-oekologie-und-technologie/projekte-/-kooperationen/mikroplastikdetektive.html