Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

Region Weser-Elbe

Gülleflut in Niedersachsen stoppen!

In Massentierställen fallen reichlich Gülle und Kot an. Dies führt zu Belastungen von Gewässern und Grundwasser und schließlich zu Gülle-Exporten in andere Regionen.  (pixabay.com)

(Hannover, 28.3.2018). Anlässlich der Herausgabe des aktuellen Nährstoffberichtes des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums fordern BUND, NABU und Greenpeace gemeinsam von der Landesregierung ein effektives Maßnahmenpaket zur Reduzierung der Nährstoffüberschüsse und einen Masterplan zur Beendigung der Gülleflut in der Weser-Ems Region.

Nach wie vor sind nur zwei Prozent aller Fließgewässer in Niedersachsen in einem guten Zustand. 98 Prozent erfüllen diesen europäischen Qualitätsstandard nicht. Die Landwirtschaft ist für die Nährstoffüberschüsse der Hauptverursacher. Die Nährstoffbelastung landet zum Teil in der Nordsee und schädigt die Küstengewässer und die empfindlichen Ökosysteme des Wattenmeeres. Zugleich ist auf 60 Prozent der Landesflächen das Grundwasser mit Nitrat über den Grenzwerten belastet und gefährdet die Trinkwasserversorgung. Zudem werden in Niedersachsen jährlich 160.000 Tonnen umwelt- und gesundheitsschädlicher Ammoniak-Stickstoff aus der Tierhaltung in die Luft ausgestoßen.

Der aktuelle Bericht des Landes zeichnet eine drastische Situation, insbesondere im Weser-Ems Gebiet. Dort produzieren die viel zu hohen Tierbestände plus Biogasanlagen riesige Nährstoffüberschüsse, die weder vor Ort noch in der gesamten Region sinnvoll eingesetzt werden können. Laut Nährstoffbericht 2016/2017 besteht nach wie vor ein Nährstoffüberschuss von ca. 70.000 Tonnen Stickstoff in Niedersachsen. Im Berichtszeitraum von Mitte 2016 bis Mitte 2017 mussten über drei Millionen Tonnen Gärreste, Gülle und Hühnertrockenkot allein aus der Region Weser-Ems weg transportiert werden, weil Fläche für die halbwegs umweltverträgliche Ausbringung fehlt. Das entspricht mehr als 115.000 LKW-Ladungen. Legt man die Vorgaben der neuen Düngeverordnung zu Grunde werden in sieben Landkreisen die maximalen Phosphatvorgaben der Düngeverordnung überschritten. Allein dadurch ergibt sich ein externer Flächenbedarf von mindestens 114.000 Hektar. Da die Böden in der Weser-Ems Region zum Großteil b  ereits überversorgt sind, dürfte der zusätzliche Bedarf an externer Fläche zur Ausbringung der Nährstoffe noch weitaus höher liegen. Die Transporte werden mit der Umsetzung der neuen Düngeverordnung noch um ca. 50 Prozent auf 165.000 LKWs steigen, wenn keine grundlegende Änderung vorgenommen wird.

„Der Umfang der Tierhaltung muss wieder an die vor Ort zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Fläche angepasst werden“, fordern die Verbände. „Weder Güllebörsen, noch LKW- und Schiffstransporte und erst Recht keine riesigen auf eine Millionen Mastschweine ausgelegten Gülle-Vollaufbereitungsanlagen, wie sie jetzt im Landkreis Cloppenburg geplant werden, sind eine sinnvolle Lösung. Solche großtechnischen Maßnahmen kosten viel Geld, belasten die Umwelt, benötigen riesige Mengen an Energie, vergrößern das Verkehrsaufkommen und machen die Landwirte ein weiteres Mal von industriellen Strukturen abhängig. Sie verschlechtern zudem das Image der Landwirtschaft und zementieren die Intensivtierhaltung für kommende Jahrzehnte.“

Die Verbände fordern die Landesregierung stattdessen auf, den Tierschutzplan, der in den beiden vergangenen Legislaturperioden in Niedersachsen entwickelt wurde, umzusetzen und die Ställe tiergerechter zu machen, Tierbestände gezielt abzustocken und den Tieren mehr Platz zur Verfügung zu stellen.

„Um den Nährstoffüberschuss einzudämmen, müssen die zuständigen Landesbehörden wissen, in welchen Betrieben zu viel Gülle und andere Wirtschaftsdünger anfallen. Mit der Novelle des Düngerechts hat Niedersachsen jetzt die Chance, eine risikoorientierte düngerechtliche Kontrolle aufzubauen und sich die Daten der Landwirte regelmäßig melden zu lassen. Das entlastet auch landwirtschaftliche Betriebe, bei denen Tierhaltung und Flächenausstattung ausgewogen ist. Effektivere gezieltere Kontrollen helfen Gewässer, Artenvielfalt und Klima besser vor den schädlichen Einträgen aus der Landwirtschaft zu schützen“, so die Sprecher der Verbände.

Pressemitteilung von Greenpeace, NABU und BUND vom 28.3.2018



Zu viel Gülle im Landkreis Cuxhaven

Zu viel Gülle belastet Tiere und Pflanzen sowie das Grundwasser.  (Wolfgang Dirscherl / pixelio.de)

(Bremerhaven/Cuxhaven, 1. Februar 2017) Anlässlich des Endes der Sperrfrist für das Ausbringen von Gülle und Gärresten auf Grünland Ende Januar weisen jetzt die BUND-Kreisgruppe Cuxhaven und der BUND-Regionalverband Unterweser auf die zunehmende Gefährdung der Gewässer, der Gewässerlebensräume und des Grundwassers im Landkreis Cuxhaven durch das Übermaß beim Ausbringen von Wirtschaftsdünger hin. Flüsse und Seen, Bäche und Gräben sowie die Gewässerrandstreifen seien mit Gülle zu verschonen, fordern die BUND-Gruppen.

„Auch in der Nordsee haben die Belastungen wegen der Nährstofffrachten aus der intensiven Landwirtschaft zugenommen. Hier muss endlich ein Umdenken einsetzen. Von einem guten ökologischen Zustand seien die meisten unserer Gewässer weit entfernt“, erklärt Winfried Gusky vom BUND Unterweser. Bernd Quellmalz, BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe ergänzt: „Mittlerweile ist es amtlich, wie sehr unsere Gewässer und das Grundwasser in Niedersachsen schon belastet sind.“ Die Bundesregierung bestätigte im letzten Jahr, dass sich in Niedersachsen 44 von 90 Grundwasserkörpern (49 %) in einem schlechten, chemischen Zustand befände. Die Situation bei Oberflächengewässern wie Flüsse und Seen sei nicht anders: 27 % von ihnen werden als mäßig, 44 % als unbefriedigend und 24 % sogar als schlecht eingestuft. „Dabei ist aber festzuhalten, dass nicht der Wirtschaftsdünger als solcher der Verursacher für die schlechten Zustände ist“, betont Gusky. So sei beispielsweise in der ökologischen Landwirtschaft ein maßvoller Einsatz gerade von Dung und Mist im Rahmen der Kreislaufwirtschaft nötig, um Mineraldünger zu ersetzen. Gusky: „Allein das Übermaß an Gülle führt zur Gewässerverschmutzung. Dies ist eine unmittelbare Folge der Riesenställe in Zusammenhang mit der Fütterung von importiertem Kraftfutter, der intensiv genutzten Monokulturen und des Ausbringens von zu viel Dünger.“

In Niedersachsen werden von der Landwirtschaft jährlich rund 80.000 Tonnen Stickstoff (N) und etwa 30.000 Tonnen Phosphat zu viel in Böden und damit auch in Gewässer eingebracht. Im Landkreis Cuxhaven wäre laut dem aktuellen Nährstoffbericht eine Minderung der Stickstoffmenge um 1.374 Tonnen erforderlich, um die Nitratkonzentration im Sickerwasser zumindest unter 50 mg/l halten zu können. „Das ist ein alarmierender Zustand. Die Nährstoffüberschüsse reichern sich im Boden und Grundwasser an und haben damit negative Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und auch auf uns Menschen“, sagt Winfried Gusky. „Nur wenige Pflanzen können die hohen Güllefrachten vertragen. Es werden Monokulturen gefördert, die Artenvielfalt schwindet und die Klimakrise verschärft sich. Außerdem drohen die Einträge von Gülle und Gärresten aus Biogasanlagen als Wirtschaftsdünger sowie die zusätzlichen Einträge von chemischen Düngemitteln und Pestiziden das Grundwasser in der ganzen Region zu vergiften.“

Die Europäische Union bemängelt diesen Zustand schon seit langem: „Trotz der weiter hohen Nitratbelastung hat Deutschland keine strengeren Gegenmaßnahmen ergriffen. Dazu ist das Land laut geltendem EU-Recht jedoch verpflichtet. Die von der Bundesrepublik zuletzt im Jahr 2012 übermittelten Zahlen sowie mehrere Berichte deutscher Behörden aus jüngster Zeit zeigen eine wachsende Nitratverunreinigung des Grundwassers und der Oberflächengewässer, einschließlich der Ostsee“. Der BUND Cuxhaven und der BUND Unterweser fordern daher eine sozial gerechte und ökologische Agrarpolitik. „Dafür brauchen wir eine Agrarwende weg von der industrialisierten  Landwirtschaft hin zu einer vielfältigen ökologischeren Landwirtschaft“, so Bernd Quellmalz. „Damit würden auch die Flüsse und Seen und das Grundwasser geschützt.“ Hierzu müssten seiner Ansicht nach die Agrarsubventionen von der industriell geprägten auf die ökologische, vielfältige Landwirtschaft umgelenkt werden. Die Düngeverordnung müsse dahingehend überarbeitet werden, dass die Hoftorbilanz darin aufgenommen und auch die Nährstoffzufuhren über hoffremdes Kraftfutter berücksichtigt werden. Außerdem sei ein Plan zur Verhinderung von Gülleunfällen, die die Gewässer lokal stark beeinträchtigen, dringend erforderlich. Winfried Gusky weist schließlich darauf hin, dass vor kurzem selbst der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband eine Offensive für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft gestartet und einen anderen Umgang beim Einsatz von Wirtschafts- und Mineraldünger gefordert hat. Es sollten Initiativen zur Vermeidung von Dünge-Einträgen in Gewässer begonnen werden, und die Gewässerentwicklung im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie sei voranzubringen, so der Landwirtschaftsverband.

Zum Nachlesen

 

 

BUND-Bestellkorb