Region Weser-Elbe

„Aktion Wasser“: Großes Engagement und schlechte Werte

02. Dezember 2019 | Aktion Wasser

BUND: Wasseruntersuchungen in der Region Weser-Elbe zeigen Belastung von Gewässern und Grundwasser

Annette, Brigitte und Ortrud nehmen Wasserproben aus dem Wiesengraben.  (Bernd Quellmalz)

An dem BUND-Projekt „Aktion Wasser – für lebendige Gewässer und sauberes Grundwasser“ haben sich auch 2019 wieder zahlreiche Menschen aus der Region Weser-Elbe beteiligt und Gewässer und Grundwasser auf Nährstoffbelastungen untersucht. Die Ergebnisse der ehrenamtlichen Bürgerwissenschaftler*innen zeigten vielerorts einen mäßig belasteten bis schlechten Zustand der untersuchten Gewässer und des Grundwassers.

„Auch im zweiten Projektjahr haben sich wieder viele Menschen für den Wasserschutz engagiert“, freut sich Bernd Quellmalz, BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe. An zwei Schulungen haben 27 Personen teilgenommen, an den Veranstaltungen wie Führungen, Vorträgen und Pflegeeinsätzen über 50. Zu den dezentralen Wasseruntersuchungen brachten Bürger*innen insgesamt 176 Wasserproben aus ihren Garten- und Hausbrunnen mit, um sie auf Nitrat untersuchen zu lassen. „Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Menschen die aktuelle Belastung unserer Gewässer und unseres Grundwassers umtreibt“, betont Quellmalz. Von den an 36 Probestellen untersuchten Gewässern befanden sich 65 % in einem unbefriedigenden und schlechten Zustand. Von den 176 untersuchten Wasserproben aus Haus- und Gartenbrunnen wiesen 31 % Werte zwischen 10 und 50 mg/l und 11 % sogar Werte von über 50 mg/l Nitrat auf. Schwerpunkte der Belastung haben sich bei den Wasseruntersuchungen des BUND zum Beispiel geestnah bei Spieka und Oxstedt, aber auch in Schiffdorf und Bremen-Farge gezeigt. Dagegen konnten die Bürgerwissenschaftler*innen in den Niederungsgebieten bei Osterholz-Scharmbeck sowie in Marschgebieten überwiegend geringere Belastungen feststellen. Insbesondere in der lehmig-tonigeen Marsch wird Nitrat nicht so schnell ausgewaschen wie in sandigen Geestböden. Auffällig im Landkreis Wesermarsch waren in den untersuchten Binnengewässern bei Iffens am Jadebusen die vergleichsweise hohen Salzgehalte von bis zu 1,6 Promille (Süßwasser: deutlich unter 0,9 Promille, Brackwasser: um 1-20 Promille), während die Nitrat-Werte unauffällig waren.

Wenn auch die ehrenamtlich erhobenen Daten im Rahmen der „Aktion Wasser“ keinen wissenschaftlichen Standards genügen, verdeutlichen sie vielerorts dennoch die Belastung der Gewässer und des Grundwassers in der Region Weser-Elbe. Hauptursache dafür ist laut Nährstoffbericht 2017/2018 der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vor allem der Eintrag aus Nährstoffüberschüssen aus der Landwirtschaft, aus der allein in Niedersachsen jährlich rund 50.000 Tonnen Stickstoff und 24.000 Tonnen Phosphat zu viel in Böden und Gewässer gelangt. „Trinkwasser aus dem Grundwasser herzustellen, wird dadurch immer aufwendiger und teurer“, ist sich Quellmalz sicher. „Unsere diesjährigen Ergebnisse verdeutlichen erneut, dass sich der Zustand von Gewässern samt Grundwasser dringend und schnellstens verbessern und die Politik endlich handeln muss. Die jetzt geltende Düngeverordnung und die Umsetzung in Niedersachsen werden allerdings nicht reichen, die erforderlichen Verbesserungen für unser Wasser zu erzielen.“ Für eine wirkliche Verbesserung bedürfe es einer Agrarwende und eines effektiven Gewässer- und Wasserschutzes. „Bis dahin werden wir weiterhin mit unseren Messungen auf die Belastung von Gewässern und Grundwasser hinweisen“, betont Quellmalz.

Für weitere Wasseruntersuchungen sucht der BUND noch Unterstützung. Wer bei der „Aktion Wasser“ mitmachen möchte, wende sich bitte an die Projektkoordinatorin Marlen Bratz, Tel.: 0176 / 23181773, marlen.bratz(at)nds.bund.net. Weitere Infos und die detaillierten Messergebnisse gibt es unter www.BUND-Weser-Elbe.de/aktionwasser. Das Projekt „Aktion Wasser“ wird getragen von den BUND-Gruppen Cuxhaven, Osterholz, Unterweser und Wesermarsch und gefördert von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung.

Bei Rückfragen: Bernd Quellmalz, BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe, Tel.: 0176 / 51 63 80 85

Hintergrund

Nitrat ist für Menschen zwar erst einmal nicht giftig. Im Magen und Darm, aber auch beim Stehenlassen von Nahrung unter Luftabschluss wird es durch Bakterien jedoch zum giftigen Nitrit umgebaut, welches als krebserregend gilt und bei Kleinkindern und Säuglingen zur Blausucht führen kann. Für die Natur mit ihrer Artenvielfalt stelle die zu hohe Nährstofffracht ebenfalls ein großes Problem dar, weil z.B. seltene Pflanzen von „Allerweltsarten“ wie Brennnesseln, Beifuß und Quecken verdrängt würden.

Hinweis zur Nutzung des mitgesandten Fotos:

Das Foto zeigt Aktive bei der Probennahme an einem Siel im Landkreis Wesermarsch und ist für den einmaligen, kostenfreien Abdruck im Rahmen der Berichterstattung zu dieser Meldung sowie unter Angabe der Quelle „BUND / B. Quellmalz“ freigegeben.

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